Seit dem Update zur Version 4.1 bietet Lightroom in Kombination mit Photoshop CS6 eine interessante Möglichkeit zur Erstellung und Bearbeitung von HDR Bildern direkt in Lightroom. HDR steht für high dynamic range, hört sich chic an und meint nichts anderes als im Dynamikumfang (Kontrastumfang) erweiterte Bilder.

Aber was heißt das nun? Das menschliche Auge kann einen wesentlich höheren Kontrastumfang wahrnehmen als ein Fotoapparat. Jeder der schon mal im Gegenlicht fotografiert hat wird sofort verstehen wovon ich spreche: entweder wird die Kamera so eingestellt, dass der Himmel sichtbar bleibt, dann ist aber der Vordergrund wahrscheinlich schwarz oder andersherum der Vordergrund wird korrekt belichtet und der Himmel ist ausgeschossen. HDR Bilder umgehen dieses Problem, da sie aus mehreren einzelnen unterschiedlich belichteten Aufnahmen bestehen. Gängige HDR Programme benutzen dazu spezielle Tone Mapping Verfahren. Dabei werden die einzelnen Bilder so zusammengefügt, dass die Gesamtheit aller Elemente „korrekt“ belichtet ist.

Die in LR 4.1 und CS6 kombinierte HDR Funktion geht einen Schritt weiter, hierbei handelt es sich auch um das Tone Mapping, jedoch mit dem Vorteil, dass das Bild direkt in Lightroom mit sämtlichen bekannten Funktionen weiterbearbeitet werden kann. Das spart Zeit und bietet zudem noch weitere interessante Möglichkeiten.  Dazu exportiert man einfach die Belichtungsreihe per Kontextmenü in CS. Wichtig hierbei ist, dass dies im TIFF Format geschieht (falls der Export nicht als TIFF erfolgt, dann einfach in den Voreinstellungen das Format ändern). In CS6 taucht dann der bekannte Dialog auf (Tone Mapping Verfahren – 16bit). Hier stellt man einfach auf 32bit, optional kann man noch den Weißpunkt verändern – CS beschneidet oftmals die Highlights bei der Voreinstellung – speichert das Bild und geht zurück in Lightroom.

Und hier das Tolle: das soeben erstellte TIFF Bild kann direkt weiterverarbeitet werden. Aufmerksame Betrachter werden sehen, dass z.B. die Belichtungseinstellung nun über -10, +10 = 20 Blendenstufen verfügt anstelle der sonstigen -5, +5 = 10.

Die 20 Blendenstufen entsprechen ziemlich dem Dynamikumfang des menschlichen Auges, ein optimal belichtetes Bild deckt ungefähr 12 Blendenstufen ab. Der Kontrastumfang des Auges entspricht ca. 1:1.000.000, der einer Kamera ungefähr 1:4096. Im 2-er Logarithmus bedeutet das: 2 log(1.048.576) = 20 und entsprechend 2 log (4096) = 12. Durch die Dynamikerweiterung des Bildes kommen wir also ziemlich nah an den von uns wahrgenommen Kontrastumfang heran.

Die beiden Bilder von Notre Dame habe ich letzte Woche aufgenommen. Hier nochmals die HDRs gefolgt von den entsprechenden Belichtungsreihen : HDR, -2, -1, 0, +1, +2 Blendenstufen.

Insgesamt bin ich von der Methode auf jeden Fall schwer angetan, da es sich hier um eine reelle Erweiterung des Dynamikumfangs handelt (32bit).  HDR Bilder sind sicherlich nicht jedermanns Geschmack, zumal viele HDR Bilder aussehen, als würden sie aus einem Harry Potter Film stammen. Dabei bietet die hier vorgestellte Variante gute Möglichkeiten dies in Grenzen zu halten. Zur Gegenabwehr helfen die Regler „Klarheit“, „Dynamik“ und „Sättigung“.

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